ich wundere mich manchmal, wie viel manche menschen zu ertragen bereit sind, nur um nicht alleine sein zu müssen. wie viele halten es mit einem gegenüber aus, das ihnen nur verletzungen, entwürdigungen, unverständnis entgegenbringt! jede qual wird dem alleinsein vorgezogen - „wenigstens ist jemand da“...
zwischen allein sein und einsam sein ist ein unterschied. einsam ist man, wenn man das allein-sein (all-eins-sein) subjektiv als negativ erlebt: es fehlt was, es herrscht ein mangel, den man ausgleichen will.
dabei muss aber ja eine beziehung, die man eingeht, weil man das alleinsein als einsamkeit empfindet, immer unbefriedigend sein, von der wurzel her vergiftet. man liebt sich nicht – man benutzt einander nur, um nicht einsam zu sein.
wieso gehen wir davon aus, dass alleinsein per se etwas schreckliches ist? ist uns das irgendwie kollektiv eingeimpft worden? manchmal glaub ich das.
weil, es ist ja eigentlich unsere natur, alleine zu sein. jeder wird alleine geboren, jeder stirbt alleine, und letztlich leben wir auch alleine, ins innerste kann man niemanden wirklich mitnehmen. warum können wir das so schlecht akzeptieren? bei manchen leuten denk ich mir: sie sollten es einfach mal ausprobieren, vielleicht entdecken sie dass ihre angst unbegründet ist.
angst hat man ja am meisten vor sachen die man nicht kennt. so wie z.B. viele angst haben alleine zu reisen. ich hör das oft: „was, du reist alleine durch indien? da hätt ich angst...“ ja, aber nur solange bis man es macht, dann erlebt man nämlich dass nichts beängstigendes dabei ist, dafür viel bereicherndes.
viele spirituelle führer, die ganz in das alleinsein eingetaucht sind, sagen uns ja dass allein-sein etwas wunder-volles ist, friedvolle geborgenheit in der existenz.
ich glaub, es ist eine der wichtigsten aufgaben, sich mit dem alleinsein anzufreunden.
ich fand immer schon, dass man auch unter menschen ziemlich einsam sein kann. vielleicht hab ich deshalb gelernt, das allein-sein mit mir anzunehmen und zu schätzen. natürlich kenn ich auch auch momente von einsamkeit, verlassenheit – und sogar sehnsucht nach totalem eins-sein, siehe meine früheren einträge über seelenpartnerschaft. aber das positive gefühl beim allein-sein überwiegt, oft hab ich sogar ein richtiges verlangen danach. ich glaube, echte gemeinschaft oder zweisamkeit kann sowieso nur erleben, wer gut mit sich alleine sein kann. wichtig ist: keine kompromisse. ich bin jedenfalls lieber allein allein, als zu zweit allein, weil dann weiss ich mich zumindest in guter gesellschaft