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Die Bethen
Im Königreich Noricum, dem ersten Staatsgebilde auf österreichischem Gebiet, wurden die Bethen als Nationalheilige und norische Muttergottheiten verehrt. Sie waren Schenkende des Lebens und der Gesundheit und galten auch als Beschützerinnen der Mütter und Kinder.
Die drei Bethen heißen Ambeth, Wilbeth und Borbeth oder Querbeth. Sie bilden die göttliche Triade als Erd-, Mond- und Sonnenmutter.
Der Glaube und der Kult um die drei gütigen Frauen, die durch die Lande gehen, weisen Rat erteilen und Gaben schenken, hielt sich im Volk sehr lange. Der Bethen-Kult wurde (wie so vieles) von der christlichen Kirche okkupiert, und die Göttinnen-Trinität lebt im Bewusstsein der Menschen weiter als die "drei Heiligen Madl'n" namens Margaretha, Barbara, Katharina:

Bethe bedeutet soviel wie Erde. Das Wort Bett leitet sich davon ab, denn ursprünglich schliefen die Menschen nicht auf Matratzen, sondern auf der (Mutter-)Erde. Und unser Wort beten ist davon abgeleitet und heißt eigentlich: "die Göttin anrufen".
Die drei Bethen heißen aber nicht so, weil die Menschen von ihnen etwas erbaten, sondern weil der Name ebendieser Gottheit beth war, nannte man ihren Dienst und ihre Anrufung beten. Bei dem Wort bethe liegt diesselbe bedeutungsmäßige Entwicklung vor wie bei dem Wort Frondienst. Der Frondienst umfasste ursprünglich die kultischen Verpflichtungen im Dienst der drei göttlichen Frauen (vrouwen-dienest). Durch die Vernichtung der alten Religion bekam das Wort eine neue Bedeutung: So wurde aus dem vrouwen-dienst (die Anbetung von drei göttlichen Frauen) der Frondienst, eine Art Leibsteuer, die den neuen Herrschaftsträgern (z.B. den Grund- und Bodenbesitzern) gegenüber verpflichtend zu leisten war.
Die "Beteltänze" und "Bettelumzüge"aus dem Mittelalter, die Bettelstege auf den Wanderwegen, der Bittgang sind alle von den Bethen abzuleiten. Eine weitere Abwandlung des Wortes beth findet sich in der Butter wieder. In vielen Märchen und Sagen kommen melkende und butternde Frauen vor. Manche Sagen erinnern uns noch an eine matriarchale Zeit: salige Frauen buttern, spinnen Flachs und helfen den Menschen in all ihren Nöten. Butter und Milch sind im Überfluss vorhanden: die Sennerinnen vom Hochkönig pflastern ihren Weg mit Käselaiben, die Fugen dazwischen füllen sie mit frischer Milch aus, aus der goldgelben Butter formen sie Butterkugeln und spielen damit. In der Tiroler Sage "Frau Hitt" badet diese ihr Kind in Milch und trocknet es mit Weißbrot ab.
Wohlstand, Gesundheit, Reichtum und Lebenslust in Hülle und Fülle! Doch schon zeichnet sich der Umbruch zum Patriarchat ab: Das Verschenken von göttlichen Gaben wie Butter, Milch und Brot wird bestraft und als übermütig und gottlos verdammt. Frau Hitt erstarrt zu Stein, die lebenslustigen Sennerinnen vom Hochkönig(die zudem recht wählerisch in ihrem Umgang mit Männern sind) werden in einem fürchterlichen Sturm von Schnee und Eis begraben.
Aus den glückbringenden göttlichen Frauen, die den Menschen Gutes tun und sie reich beschenken, wurden gottlose (=böse!) Frauen, die für ihren Frevel bestraft werden. Aus den segnend butternden Frauen wurden böse Hexen, die die Milch von anderen stehlen und auf Butterfässern durch die Lüfte fliegen.
Wo die Abwertung oder Vernichtung der göttlichen Frauen nicht klappte (weil die Menschen einfach nicht aufhörten, weibliche Gottheiten zu verehren und anzubethen), dort wurde aus den segenspendenden Frauen der alten Zeit das christliche "Unsere liebe Frau", "Unsere Liebfrau" u.ä..

Die Saligen

Die Saligen sind in Österreich heimisch. Man kennt sie auch als Waldfrauen, Bergfrauen, wilde Frauen, salige Jungfrauen, Fenggen, Fänggen, Vila, Wila

Sie wohnen in den Bergen, vornehmlich im Alpengebiet. So gilt z.B. die "Frauenhöhle" am Kleinen Ötscher als Aufenthaltsort der Wilden Frauen. In der Schweiz wohnen sie oberhalb der Blümlisalp, wo die Berge Wyssy Frau (weiße Frau) und Wildi Frau (wilde Frau) heißen.
Es heißt, dass die Saligen Frauen schon lange vor den Menschen da waren, dass sie also die ersten Bewohnerinnen der Alpen sind, die Ureinwohnerinnen gewissermaßen. Die Saligen werden auch Wildfrauen genannt, weil sie wild sind, weil sie sich nicht zivilisieren, zähmen haben lassen, weil sie aus der Zeit stammen vor der Zivilisation. Die Saligen sind die Beschützerinnen des Wildes, vornehmlich der Gemsen. Jäger, die mehr Wild schießen als unbedingt notwendig ist, werden von den Saligen bestraft.

Die Saligen sind freundliche und hilfreiche Frauen. Sie schenken gern etwas und sie bitten auch manchmal um Geschenke, aber sie wollen keinen Dank und vor allem niemals einen Lohn, niemals eine Bezahlung dafür. Sie treiben auch keinen Handel, sie horten keine Schätze, so wie z.B. die Venedigermandln. Die Saligen haben kein Reich und auch keine Königin.
Manchmal kommen sie von den Bergen herunter und helfen den Bauern bei der Arbeit. Sie helfen beim Heumachen und manchmal kommen sie in der Nacht, schneiden das Korn und backen Brot. Das Brot, das sie backen, behalten die Saligen auch wieder nicht für sich. Sie schenken es oft einem Wanderer, einem Fuhrmann, einem Bauern. Und dem, der's in Ehren hält, dem bringt es Glück.
Die Wildfrauen wissen auch die Zeit für Anbau und Ernte. Wer ihren Rat, auch wenn er mal seltsam erscheinen mag, beherzigt, der wird vor Schaden bewahrt.
Die Saligen darf man niemals nach ihrer Herkunft oder ihrem Namen fragen, denn sonst verschwinden sie sofort. Sie dürfen auch niemals bei ihrem richtigen Namen genannt werden. Denn in alter Zeit hat man Macht über eine/n gewonnen, wenn man den richtigen Namen gewusst hat. Doch die Saligen dulden es nicht, dass jemand Macht über sie hat.
Salige Jungfrauen heißen sie auch, weil sie keinem Mann gehören, sich nicht an einen Mann gebunden haben. Ab und zu mischen sie sich aber doch unters Volk und lachen sich einen Mann an, manchmal heiraten sie sogar, wobei sie aber immer Bedingungen stellen: Der Mann darf ihr Haar nicht vom Boden aufheben, während sie schläft, er darf sie nicht nach ihrem Namen fragen, er darf auch nicht fragen, wo sie herkommt und vor allem darf er nie ein böses Wort zu ihr sagen. Eine Zeit lang geht es gut und alle sind glücklich miteinander. Doch immer enden die Geschichten so, dass der Mann sein Wort nicht halten kann und sein Versprechen bricht, worauf die Salige sofort auf Nimmerwiedersehen verschwindet.




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